Stehversuch nach Romberg

Der Patient steht ohne Schuhe auf einer Stelle, die Füße nebeneinander ohne gegenseitige Berührung. Die Augen sind zunächst für 30 Sekunden offen, dann weitere 30 Sekunden geschlossen, die Arme nach vorne gerichtet, die Handflächen nach oben gewendet. Der Raum sollte ruhig und nur schwach beleuchtet sein, um eine optische oder akustische Orientierung zu vermeiden. Der Untersucher steht neben oder hinter dem Patienten, um ihn aufzufangen, falls dieser fällt. Der Gesunde schwankt mit gleicher Frequenz (etwa 1 Hz) und Amplitude nach vorne, nach hinten und zur Seite. Es ist also keine Richtungstendenz zu erkennen. Die Schwankungen sind mit geschlossenen Augen größer als mit offenen Augen. Ist die Schwankungsfrequenz höher (etwa 3 Hz) oder besteht eine Fallneigung nach hinten, so kann dies auf eine Kleinhirnschädigung hinweisen. Eine seitliche Fallneigung weist meist auf eine Störung des peripheren Gleichgewichtsorgans dieser Seite hin. Um eine willkürliche Beeinflussung des Testergebnisses durch den Patienten zu verringern, gibt es 2 Möglichkeiten: Ablenkung durch den sog. „Jendrassik-Handgriff". Hierbei werden die Hände mit gebeugten Fingern ineinander verhakt und kräftig auseinandergezogen. Ebenso kann der Untersucher mit dem Zeigefinger Zahlen auf den Rücken des Patienten schreiben, die er wiederholen soll. Der Andruck sollte dabei so gering wie möglich gehalten werden, damit der Patient nur wenig taktile Orientierung erhält. Die Konzentration des Patienten wird derart in Anspruch genommen, daß ihm eine mögliche Simulation oder Aggravation schwerfällt.

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